Kingdom Hearts II
Datum: 17.07.2008

Erscheinungen
22. Dezember 2005
28. März 2006
29. September 2006
Plattform
PlayStation 2
Spielmodi
Einzelspieler


Die Handlung
Kingdom Hearts II setzt dort ein, wo Chain of Memories aufgehört hat. Seit den Ereignissen von CoM ist allerdings schon ein Jahr vergangen und als Sora endlich aus seinem Schlaf erwacht muss er feststellen, dass sich in den Welten einiges verändert hat.
Zwar wurde Ansem erfolgreich vor Kingdom Hearts vernichtet allerdings gibt es weiterhin Angriffe der Herzlosen auf alle Welten und es ist kein Ende in Sicht. Um die Situation noch weiter zu verschlechtern ist nun auch noch eine mysteriöse Organisation aufgetaucht, die die Kontrolle über so genannte Nobodies hat.

Einer meiner größten Kritikpunkte an der Handlung des ersten Teiles war die relativ dünn gestreute eigene Handlung. Man verbrachte einen viel zu großen Teil des Spiels damit von einer Disneywelt zur anderen zu reisen und die dortige Filmhandlung mehr oder weniger nachzuspielen und die Herzlosen nahmen nur die Rolle der Gegner ein, manchmal aber nicht einmal die des Bossgegners. Natürlich stehen auch im zweiten Teil die Disneywelten wieder ganz im Mittelpunkt und auch die Handlungen der jeweiligen Filme werden nachgespielt, allerdings ist die Organisation um einiges präsenter im Spiel als es vorher Ansem war. So läuft dem Spieler das erste Mitglied schon innerhalb der ersten Spielstunden über den Weg und dies wird sich auch so schnell nicht ändern.

Was die Welten angeht so wurden sechs Welten aus dem ersten Teil übernommen, dieses Mal auch mit der Möglichkeit das Disney Schloss von Micky zu betreten. Neu hinzugekommen sind weitere sechs Welten wie zum Beispiel Biests Schloss und die grafisch stark aus der Reihe tanzenden Piraten der Karibik-Welt Port Royal. Die Kingdom Hearts-eigenen Welten bleiben wie gewohnt bei vier, erfuhren allerdings ein paar Umbesetzungen. So wurde Traverse durch Twilight Town (Dimmerstadt) ersetzt und auch das Ende der Welt findet sich nicht mehr im Spiel. Destiny Island (Insel des Schicksals) ist zwar im Spiel vertreten kann allerdings nicht betreten werden, als Trostpflaster fällt der Hollow Bastion eine größere Bedeutung zu und wurde auch kräftig erweitert.

Im Vorfeld wurde von SquareEnix besagt, dass CoM zwar ein Bindeglied zwischen den beiden Hauptteilen ist, es allerdings nicht nötig ist CoM gespielt zu haben um in Teil 2 einzusteigen und Spieler von CoM werden diesen Eindruck bestimmt auch bekommen haben als sie das Ende gesehen hatten. Dem ist allerdings nicht so! Die Handlung von CoM wird zwar in KH2 teilweise durch die zweite Generation der Ansem Berichte etwas beleuchtet, allerdings hat man diese erst viel zu spät alle beisammen und wird schon in den ersten Spielstunden mit vielen neuen Charakteren überschüttet, die einfach als bekannt angesehen werden und nicht weiter beleuchtet werden. Auch gibt es das ein oder andere Flashback in dem erneut neue Gesichter auftauchen über die dann absolut kein Wort verloren wird.

Das Gameplay
In meinen Augen hat schon das Gameplay des ersten Teiles sehr viel Spaß gemacht aber SquareEnix hat es tatsächlich geschafft es noch weiter zu verbessern.
Eine der auffälligsten Neuerungen sind dabei die so genannten Reaction Commands.

Für ihre Verwendung muss der Spieler nicht mehr tun als im richtigen Moment die Dreiecktaste zu drücken und Sora führt dann je nach Situation eine Aktion durch. Diese Reactions kommen besonders in Bosskämpfen zum Zuge und ermöglichen es zum Beispiel sich unter einen im Tiefflug angreifenden Gegner hinwegzuducken und nach einem erneuten, richtig getimten Druck, diese anfangs defensive Aktion in einen Angriff auf den Bauch des Gegners zu verwandeln. Im Kampf gegen normale Gegner kommen die Reactions natürlich auch zum Zuge, so ist es möglich bestimmten Gegnertypen ihre Waffe zu stehlen und dann gegen sie selbst zu verwenden.

Ebenfalls komplett neu sind die Limit Aktionen. Hierbei kombinieren Sora und ein Partymitglied ihre Fähigkeiten um eine Reihe von verschiedenen Angriffen auf den Gegner einregnen zu lassen. Diese Limits sind dabei nicht nur toll in Szene gesetzt sondern können wirklich einiges ausrichten. Beim Thema Limits möchte ich auch direkt die Erweiterung des Kampfmenüs ansprechen. Durch einen Druck nach rechts oder links ist es nun möglich ein alternatives Menü aufzurufen. Während die Aktion Angriff in beiden Menüs vorhanden ist unterscheiden sich die restlichen Punkte. Einmal haben wir Magie, Items und Drive und im anderen Summon, Party und Limit. Auf den ersten Blick scheint es also relativ umständlich während des Kampfes ein Limit zu benutzen, muss man doch erst das Menü wechseln und dann noch das Limit auswählen. Diesem Umstand wird allerdings durch die neue Ability Auto-Limit Abhilfe geschaffen. Sind Soras MP maximal gefüllt und der Limitpartner ist in unmittelbarer Nähe wird ein Reaction Command verfügbar, was nach einem einfachen Druck auf das Dreieck die Limit Aktion ausführt.
Spielern von KH1 werden die zwei vollkommen neuen Menüpunkte Party und Drive sicher schon bemerkt haben. Wie schon mit den Limits angedeutet wurde erhalten die individuellen Kampfbegleitungen in Teil 2 eine größere Bedeutung als im Vorgänger. Deshalb ist es nun möglich über die Party Option die Charaktere zu jeder Zeit auszuwechseln, so weit sie in der Welt vorhanden sind.
Hinter dem Menüpunkt Drive verbirgt sich die wohl aufregendste Neuerung des KH2 Kampfsystems. Nachdem Sora einen neuen Satz Kleidung bekommen hat ist es ihm fortan möglich mit einem oder beiden Partymitgliedern zu fusionieren. Dabei stehen dem Spieler drei reguläre und zwei versteckte Formen zur Verfügung. Diese Formen verfügen einerseits über diverse Statusboni als auch über ein komplett eigenes Set an Abilities und, was die Sache für passionierte Nahkämpfer sicher noch um einiges interessanter macht, teilweise über zwei Schlüsselschwerter. Den Drive Formen fällt allerdings noch eine weitere Bedeutung zu als nur die Reihen von Herzlosen und Nobodies in Rekordzeit zu lichten.

Mit fortgeschrittener Stufe wird dem geneigten Spieler auffallen, dass sich die meisten seiner Abilities auf Status- oder Angriffboni beschränken. Was ist aber aus Sachen wie Gleiter oder Sportsfreunde geworden? Nun ja, um ehrlich zu sein es gibt sie nicht mehr. Was es allerdings gibt sind die speziellen Abilities der Formen. Jede Form besitzt insgesamt sieben Stufen und mit dem erreichen einer neuen werden auch neue Abilities frei. Diese sind nicht immer für die Form sondern auch Sora profitiert von ihnen. So kann Sora durch die Valor-Form die Ability High-Jump erlangen, welche so ziemlich der Nachfolger von Sportsfreunde ist und selber in drei Stufen vorhanden ist und erlernt werden muss.

So mächtige Fähigkeiten wie die Drive Formen kommen natürlich nicht einfach so daher. Einerseits benötigt Sora für die ersten zwei Formen die Unterstützung von entweder Donald oder Goofy um die Form zu aktivieren und der Entsprechende Partner verschwindet danach solange aus dem Kampf bis Sora den Drive wieder verlässt. Für die restlichen drei Drive Formen benötigt Sora sogar beide Partymitglieder und muss den Kampf alleine bestreiten (was in der Drive Form natürlich massenhaft Spaß macht und man würde sich von seinen Partymitgliedern sowieso nur gestört fühlen). Weiterhin ist auch die Driveleiste ein ausschlaggebender Faktor. Hier ist es nun von Form zu Form unterschiedlich, manche können aktiviert werden sobald die Driveleiste dreimal gefüllt ist andere erst nach fünfmal. Füllen kann man diese Leiste indem man Gegner angreift, von Gegnern angegriffen wird oder indem man die entsprechenden Kugeln einsammelt, die von Gegnern hinterlassen werden. Apropos Kugeln, die Entwickler sind zum Glück nicht auf die Idee gekommen das Erfahrungspunktesystem aus CoM zu übernehmen, die EXP werden wie gewohnt automatisch auf die Party verteilt.

Neben diesen ganzen kompletten Neuerungen gibt es allerdings natürlich auch im normalen Kampf ein paar Neuerungen. In KH1 war es so, dass man mit dem normalen Schlagen nur lange Combos von einfachen Schlägen loslassen konnte und die wirklich mächtigen Abilites wie Tontaube oder Tollwut konnten nur über den vierten Menüpunkt aktiviert werden. In KH2 erlernt Sora nun allerdings viele Abilities die entweder durch einen Druck auf eine andere Taste während der laufenden Combo benutzt werden können oder sogar völlig automatisch benutzt werden. Auch wird schnell auffallen, dass Sora unglaublich viele Abilities für den Luftkampf beherrscht und ziemlich schnell dort um einiges mächtiger ist als auf dem Boden.

Das Gummischiff ist natürlich auch in KH2 wieder mit dabei. Ich persönlich war ein absoluter Gegner des Gummischiffs in KH1. Es war mir zu langweilig, zu langsam und auch blieb mir das System hinter dem Gummischiff immer verwährt. In KH2 hingegen liebe ich das Gummischiff. Es ist um einiges schneller, man muss sich gegen wahre Gegnermassen wehren, die auch nicht einfach nur blind an einem vorbei fliegen und es wurde mehr Dynamik in das System gebracht. Anstatt einfach immer starr nach vorne zu blicken wechselt die Kamera nun von Zeit zu Zeit automatisch die Perspektive nach hinten oder zu den Seiten.
Auch das benutzen neuer Schiffe kommt mir hier um einiges einfacher und offensichtlicher vor. Während ich KH1 bis zum Ende mit dem Anfangsschiff gespielt habe, weil ich einfach nicht motiviert war für das langweilige Ding noch Zeit zu investieren um mich durch die Menüs zu suchen wird dem Spieler in KH2 vor dem Start eine handliche Liste mit allen verfügbaren Blaupausen aufgezeigt aus welcher man flugs ein Schiff auswählen kann.

Wer natürlich auch wieder mit dabei ist sind die Moogles mit ihrer altbekannten Itemschmiede. Hier gibt es wenig Neues zu erzählen. Wie gewohnt sammelt man Materialien und Rezepte um sich dann die entsprechenden Items herstellen zu lassen. Ebenfalls wie gewohnt befindet sich auch die Ultima Waffe wieder im Sortiment.

Für Auge und Ohr
Wie nicht anders zu erwarten hat sich die Grafik im Vergleich zum ersten Teil natürlich verbessert. Besonders gut kann man dies in der Welt Port Royal begutachten, dort wird der Comicstil abgelegt und man sieht wunderbar animierte menschliche Gesichter, die mich am ganzen Spiel mit am meisten fasziniert haben.

Wie schon bei KH1 hält sich auch KH2 mit CG-Sequenzen sehr zurück, genau genommen sind wieder nur Opening, Ending und Secret Ending nicht in Spielgrafik. An dieser stelle sei das Opening des Spiels besonders hervorgehoben. Ich habe schon einige gesehen aber dieses ist mit Abstand das schönste Intro zu einem Spiel, das ich jemals gesehen habe. Inhaltlich ruft es dem Spieler noch einmal die Schlüsselereignisse aus KH1 und CoM in Erinnerung. Musikalisch unterlegt ist es mit dem Main Theme des Spiels. Passion, im japanischen Original und Sanctuary in der US-Version und wahrscheinlich auch PAL-Version. Gesungen werden beide Versionen des Liedes von der japanischen Sängerin Utada Hikaru, welche auch das Lied Hikari für den Vorgänger beisteuerte. Während sich die beiden Lieder musikalisch nicht unterscheiden ist natürlich der Text des Originals auf Japanisch während Sanctuary auf Englisch gesungen wird. Es wird wahrscheinlich auch von den persönlichen Vorlieben abhängen aber ich bevorzuge das Original Passion.
So oder so unterlegen sie das wunderschön anzusehende Intro aber perfekt und machen es zu einem Genuss für Augen und Ohren.

Der Soundtrack des Spiels wurde erneut von Yoko Shimomura komponiert und enthält neben vielen neuen Liedern auch ein paar altbekannte wie Dearly Beloved, Fragments of Sorrow, Sherzo Di Notto und die KH-Interpretation des FFVII Klassikers One Winged Angel.
Nur aus Altem lässt sich aber natürlich noch kein guter Soundtrack machen, deshalb möchte ich im Folgenden auf ein paar ausgewählte Stücke näher eingehen.

Tension Rising - das erste Boss Theme, dass man zu hören bekommt. Ich lege bei der Spielmusik schon immer sehr viel Wert auf die Battle Themes und dieses hier ist ein wirklich tolles. Es wird klar von Marschtrommeln dominiert und mag im ersten Moment etwas durcheinander und wirr klingen erzeugt dadurch aber genau die hektische Atmosphäre, die in einem Kampf einfach da ist und ist daher perfekt als Boss Theme geeignet.

Roxas - hinter diesem Namen verbirgt sich nicht nur der Name eines Hauptcharakters sondern gleichzeitig auch ein ruhiges, sehr verträumtes Klavierstück, welches zusätzlich noch von einer Flöte und ein paar Synthesizer Effekten unterstützt wird.
Organization XIII - ebenfalls ein Klavierstück, allerdings nicht verträumt sondern bedrückt, geheimnisvoll und dunkel. Neben dem Klavier wird hier nur ein Chor eingesetzt, welches leise im Hintergrund agiert.

Waltz of the Diamond / Dance of the Darling / Dance to the Death - diese drei Lieder gehören zu der Welt von Biests Schloss und bilden das normale Theme sowieso Battle und Boss Musik. Waltz of the Diamond erschafft eine mysteriöse ungewisse aber zugleich auch monumentale Atmosphäre, welche sich wunderbar mit dem verlassenen, dunklen Schloss und seinen riesigen Schlosshallen vereint. Dance of the Darling erzeugt mit hauptsächlich einer Flöte und einem Glockenspiel ein treibendes aber auch irgendwie luftiges Battle Theme was dadurch im Kontrast zu Dance to the Death steht, welches ebenfalls während eines Kampfes verwendet wird allerdings bedrohlich und schwerfällig ist.

Auch sehr schöne Musik bieten die Welten Halloween Town und Port Royal, leider sind mir die Soundtracks der dazugehörigen Filme nicht bekannt, insofern kann ich keine Aussage darüber treffen inwiefern die Kompositionen von Yoko Shimomura oder den Komponisten der Filme stammen.

Auch ein erwähnenswertes Lied ist das Ending Theme Fantasia alla marcia, eingespielt vom Tokyo Philharmonic Orchestra. Mit einer Länge von über sieben Minuten ist es das längste Lied des Soundtracks und vereint einige bekannte Melodien aus anderen Kingdom Hearts Liedern zu einem großen, phantastischen orchestral Lied.

Fazit
Kingdom Hearts 2 nimmt das, was der Vorgänger hatte und macht es besser. Wer schon an Teil 1 seine helle Freude hatte wird sich sofort in KH2 zu Recht finden und kann es von Anfang an lieben lernen. Natürlich möchte ich im Fazit auch die kleinen Mankos ansprechen, die das Spiel trotzdem noch hat. Basierend auf der US-Version ist der Schwierigkeitsgrad des Spiels etwas daneben gegangen. Das Spiel bietet die Schwierigkeitsstufen Easy, Normal und Proud. Dabei fiel Normal aus wie ein Easy, entsprechend sollte man sich von Easy komplett fernhalten, wenn man etwas von dem Spiel haben möchte. Wo das Spiel auch etwas dünn gesät ist, sind die optionalen Gegner. Neben Sephiroth gibt es leider keinen.
Diese zwei Mankos gewogen gegen all das neue, bessere machen Kingdom Hearts 2 unter'm Strich trotzdem noch zu einem wunderbaren Spiel mit einer Storyspielzeit von rund 30 Stunden auf Normal plus wie lange auch immer man sich mit den zahlreichen Minispielen, dem Gummischiff und gegebenenfalls dem Proud Modus auseinandersetzen möchte.